Konzept des Planspiels
Von Wolf-Anno Bischoff, 2002
Bei einem Planspiel werden Entscheidungsprozesse aus der Wirklichkeit in eine Modellwelt übertragen. Dies geschieht innerhalb eines Szenarios, das den in Interessengruppen aufgeteilten Teilnehmern Entscheidungen und Aktionen abverlangt. Dabei sollen in erster Linie die Gruppeninteressen verfolgt werden, um das Gesamtergebnis zu beeinflussen. Die Teilnehmer lernen, Wirkungszusammenhänge zu formulieren und zu diskutieren. Die Identifikation mit einer bestimmten Interessengruppe ermöglicht eine emotionale Nähe und ein Verständnis für diese Gruppe, die über die reine Sachinformation hinausgeht. Die Froschperspektive aus der Gruppe heraus wird in der abschließenden Reflexionsphase aufgelöst. In der Reflexion erleben die Teilnehmer die Befindlichkeit der anderen und eine Zusammenschau der Strukturen, Tatsachen und Argumente, die zu der Entscheidung führten. Sie lernen, auch komplizierte Sachverhalte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und in einen Gesamtzusammenhang zu stellen.
Bei Planspielen handelt es sich um eine Spielekategorie, in der sehr unterschiedliche Spielabläufe und Regeln zusammengefasst werden. Allen gemeinsam ist die besondere Identifikation der Teilnehmer mit bestimmten, gesellschaftlich relevanten Gruppen und das besondere Augenmerk auf Kommunikation und die Erfahrbarmachung komplexer Zusammenhänge.
4 Phasen
1. Vorbereitung (ca. 30 Minuten und gut als Hausaufgabe erarbeitbar)
Hier arbeiten sich die Schüler/innen sowohl in die Thematik als auch in die ihnen zugewiesenen Rollen ein. Eröffnungsreden in Form von Kurzreferaten sind eine weitere Möglichkeit,mit dem Thema vertraut zu werden. Alle Rollen verfügen über ein gewisses Grundwissen, der Kenntnisstand von Detailinformationen ist jedoch unterschiedlich. Zu den Rollen gibt es Steckbriefe mit einer Charakter- und einer Interessenbeschreibung. Die Vorbereitung kann Tage vor dem eigentlichen Planspiel beginnen, damit die Schüler/innen genügend Zeit haben, sich mit der eigenen Rolle zu identifizieren.
2. Durchführung (mind. 90 Minuten - 180 Minuten)
An einem langen Tisch kommen alle Parteien zusammen und werden vom Oberbürgermeister begrüßt. Nach einer ersten Vorstellungsrunde ist die offene Verhandlungsrunde eröffnet. Die Schüler/innen agieren frei, jedoch gemäß ihrer Rollen. Die Anzahl der Rollen kann je nach Gruppengröße leicht variieren, ca. 15 Schüler/innen werden im Schnitt gebraucht. Bei größeren Klassen ist jedoch durch das 'Fishbowl-Prinzip' gesichert, dass alle am Planspiel partizipieren. Rollen werden mehrfach besetzt, jedoch nimmt immer nur ein/e Schüler/in aktiv im Innenkreis teil. Innerhalb einer Rolle können Schüler/innen aus dem Außenkreis ihre Mitschüler/innen im Innenkreis ablösen. Sonst bleiben sie als Berater oder stiller Beobachter im Hintergrund.
Bei längeren Planspielen werden Pausen eingelegt, welche mehrere Verhandlungstage simulieren. Neue Ereignisse können eintreten, wie Enthüllungen der lokalen Presse, Unterschriftenlisten von Bürgern oder Streiks. Außerdem können sich die einzelnen Parteien untereinander absprechen und stille Abkommen treffen. So gelangt mehr Dynamik in die Diskussion und der Realitätsbezug wird vergrößert.
3. Nachbereitung (mind. 30 - 45 Minuten)
Nach der Versammlung kehren die Schüler/innen aus ihren Rollen zurück. Wie haben sie sich in ihrer Rolle zu Recht gefunden, was fiel ihnen leicht, was schwerer? Wie ist der Verlauf und das Ergebnis der Verhandlung zu bewerten? Und abschließen stellt sich die Frage, wo unterscheidet sich die Simulation von der Realität - welche Abläufe könnten wirklich so geschehen, was erschien eher unrealisitisch?
4. Gesamtevaluation (ca. 10 Minuten)
In einem abschließenden Feedback können die Schüler/innen die Methode des Planspiels kritisch kommentieren. Dies gibt uns die Möglichkeit, stets das Angebot zu verbessern sowie den Lehrerenden ein Meinungsbild der Schüler/innen, wie die Methodik ankommt.

Konzept des Planspiels